Zum Tag der Deutschen Waffenreinheit

Alle großen Parteien, selbst Linken-Fraktionsvorsitzender Gregor Gysi, waren sich einig: Waffenlieferungen an die kurdischen Milizen sind in Ordnung, weil sie ja gegen die IS-Terrormilizen kämpfen. Gute Sache, gutes Geschäft also.

Abgesehen davon, dass dieselben kurdischen Milizionärein diesem Land als Terroristen verhaftet werden (gut, die Namen variieren inzwischen) und abgesehen von der großartigen Postillon-Schlagzeile „Was der Irak jetzt vor allem braucht, sind mehr Waffen“ stellt sich mir doch noch eine andere Frage: Wie konnte eine 2003 gegründete kleine Terrororganisation wie der Islamische Staat so groß werden, zu solch einer Bedrohung für die komplette Region? Das sind keine mit der Besatzung unzufriedene Schafshirten mit Schwarzmarktkalaschnikows und selbstgebauten Bomben wie uns die Bilder der „Taliban“ etc. noch im Gedächtnis sind, nein, diese Armee hat Panzer, Flugabwehrraketen, die ganze Palette.

„Die Gruppe finanziert sich durch Spenden aus Katar, Kuwait, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten“, schreibt Wikipedia.

(http://de.wikipedia.org/wiki/Islamischer_Staat_%28Organisation%29#Finanzierung)

Da aber der Islamische Staat im Irak groß wurde, unter u.a. amerikanischer Besatzung, erscheint es als kaum möglich, dass sie ihre Waffen und Panzer und was weiß ich noch alles selbst vor Ort produzierten. Irgendwo muss das ganze Kriegsgerät ja herkommen.

„Die Bundesregierung hat erneut Rüstungsexporte an arabische Staaten in großem Umfang genehmigt. Unter anderem soll Katar 13 Transportpanzer sowie 32 Spähfahrzeuge erhalten, Saudi-Arabien einen Pionierpanzer sowie sechs GeschützeDie Vereinigten Arabischen Emirate erhalten neben 3000 Maschinenpistolen vier Pionierpanzer und 20 000 Mörsergranatzünder sowie MunitionKuwait erhält eine Granatmaschinenwaffe“ (aus: Allgäuer Zeitung Nummer 228, 4. Oktober 2014; bzw. dpa-Material).

Sauberes Geschäft! Einfach alle Kriegsparteien beliefern, und sich dann in der Presse feiern lassen als Verteidiger von Recht und Ordnung, ironischerweise durch Waffen für die Kurden, alternativlos natürlich, IS ist so böse, da muss man die Gegenseite (auch) mit Waffen beliefern. Und keiner schreibt über diese offensichtlichen Zusammenhänge.

Und European Homecare zeigt: Auch aus den Massen der Flüchtlinge, die das Abschlachten mit unserem zuverlässigen Wertarbeitskriegsgerät in Krisenregionen  produziert, lässt sich hierzulande noch ein gutes Geschäft machen!

Wie man alleine auf die Idee kommt, bei der grausamen Flüchtlingsthematik an Geschäftemachen zu denken, ist mir menschlich schleierhaft; der Logik unserer Zeit ohne einer Moral außer „wie erziele ich den meisten Gewinn“ folgt es natürlich. Um eine christliche Metapher zu verwenden: „Wir“ (als Zwangsgemeinschaft) opfern dem Goldenen Kalb täglich eine Menge Menschenleben.

Unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel macht bei ihrer Ansprache zum Tag der Deutschen Einheit in Hannover das „Zitat des Tages“ der Allgäuer Zeitung: „Heute können wir feststellen, dass sich die meisten Wünsche erfüllt haben“.

Fragt sich nur, wessen Wünsche.

Meiner wäre: kein geheimes Gremium über Waffenlieferungen, sondern Mitbestimmung! Aslo diese Demokratie, von der alle reden, die ich aber seltenst wahrnehme. Denn würden die Menschen aufgeklärt und könnten bestimmen, gebe es diese Lieferungen vermutlich nicht (genauso wie die Leopard-Panzer-Lieferungen an Griechenland nach der sog. „Hilfe“; das schrie doch auch nach einem abgekarteten Gschäftli).

Vielleicht nichteinmal mehr ein „Deutschland“ (vielleicht auch subjektive Träumerei, wer weiß?)

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