Tag des Erwachens

Oft wird man als linksgrünversiffter Journalist von besorgten Bürgern darauf hingewiesen, dass man eines Tages aufwachen werde – und dann sei es zu spät. Da ich nun stets versuche, meine Mitmenschen zu verstehen, hier nun eine kurze Geschichte über jenen Tag:

Wie es sich für einen faulen Linken gehört, wache ich zu spät und komplett versifft in meinem Bett auf. Noch meinem täglichen Traum von einer rosa-roten Multikulti-Welt, in dem es keine deutsche Kultur mehr gibt und alle schwul und pädophil sind, nachhängend, entzünde ich ein Räucherstäbchen und bewege mich gemächlich vom Bett auf eine Matte am Fußboden, um mit dem morgendlichen Hoden-Yoga zu beginnen – dem neuesten Sporttrend, der die Gesundheit des deutschen Volkskörpers zersetzen soll (früher ging man schließlich noch Holzhacken, ein Reh schießen oder zumindest Fußballspielen). Dann klingelt das Telefon. „Du Markus, bei dem Drama auf der A9 gestern Nacht darfst du keinesfalls die Herkunft des mutmaßlichen Unfallverursachers nennen! Das würde unserer Weltverschwörung entgegen laufen, das deutsche Volk mit Flüchtlingen zu unterwandern und die Scharia einzuführen.“ – „Natürlich Angy“, antworte ich der Bundeskanzlerin, „wie immer. Grüß Barack und die Zionisten von mir, wenn du dich später wieder vor ihnen bückst.“ Nach weiteren allmorgendlichen Zensurvorgaben gehe ich in die Küche und lese meine linksgrünversiffte Zeitung zur Chai-Latte mit Sojareismilch und esse Quinoa-Müsli dazu. Ein Tag wie jeder andere, dachte ich…

Nach einer kurzen, selbstverständlich warmen Dusche ziehe ich meine einzige Balonhose an, streife mir das gebatikte T-Shirt der letzten Woche über und verlasse die Wohnung. Aus dem gestern Nacht gebauten, aus Steuergeldern finanzierten Luxushotel gegenüber kommt mein syrischer Nachbar, grüßt mich mit „As-salāmu ʿalaikum!“ und ich antworte noch verwirrt „Wa-ʿalaikum us-salām.  Als ich schon die Tür meines Biogas-Autos schließe und dumpf das „Allahu akbar“ des Nachbarn höre, bevor dieser in seinen (steuerfinanzierten) Privatjet steigt, begreife ich, dass dies der Tag des Erwachens ist, vor dem mich die besorgten Bürger immer gewarnt haben. Einer Eingebung folgend renne ich schnell zurück, sehe im Keller nach und tatsächlich: Da verhungert gerade meine deutsche Großmutter.

Ich habe noch keine Zeit zu überlegen, da meldet mir Facebook, dass meine kleine Schwester nun ein neues Profilbild hat; selbstverständlich im Niqab (das, was besorgte Bürger in der Regel „Burka“ nennen). Sie schreibt mir auch, dass sie nun die achtzehnte Frau des Prinzen von Abu Ghraib sei und täglich verprügelt werde. Ihre kleine, noch ungeborene Tochter sei außerdem bereits verheiratet worden. Aber bei unserer „Bahnhofsklatscher- und Gutmenschen-Mentalität“ bräuchten wir uns auch nicht wundern. „Ach hätten wir doch auf die AfD, Seehofer und die anderen besorgten Bürger gehört! Die wollten uns nur verteidigen!“, schreibt sie und endet mit einem Tränensmiley, um zu zeigen, dass sie es ernst meint (sonst hätte sie ja den Zwinkersmiley genommen, klar).

Auf dem Weg zur Arbeit vorbei an der Zentralen Omnibus Haltestelle (ZOH) in Bayreuth sehe ich aus dem Fenster, wie dort einem Dieb die Hand abgehackt, ein Tierquäler gequält, einem Sexualstraftäter eine Autobatterie an die Hoden geklemmt und einem Pädophilen der Penis abgeschnitten wird.

Mein entsetzter Blick streift den des Fahrers eines Volkswagens, Passat-Kombi (Diesel versteht sich). Dieser ist heute wie jeden Morgen ein Reh schießen und Holzhacken gegangen, bevor er nach einer kalten Dusche einen wässrigen deutschen Filterkaffee zum Presssackbrötchen trank. Beim Verlassen seines Hauses und dem Anblick der verschleierten Nachbarinnen erlebte er ein Gefühl der Genugtuung: Seine Prophezeiungen und Warnungen hatten sich bewahrheitet. Die Bürger und die Mächtigen würden nun ihn und seine Wehrsportgruppe anflehen, sie zu informieren wie man nun vorgehen soll (die Antwort kennt er: „Alle erschießen, Grenzen wieder dicht machen, Zucht und Ordnung einführen, deutsche Frauen nur noch an deutsche Männer verheiraten“ usw.). Mit diesem Hochgefühl, Recht behalten zu haben und nun endlich eine bedeutende Position in der Gesellschaft zu bekommen, kam er an die ZOH – und musste in Anbetracht von Lynchjustiz und kuschenden Frauen feststellen, dass es genau das System geworden war, das seine Kneipenkumpanen und er sich immer ersehnt hatten – nur die Hautfarbe der Mächtigen passte nicht. 😉

 

test1234

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