Sinnfreiheit

Es kann aus dem Ablegen äußerlich gültiger Strukturen eine überwältigende Erfahrung erwachsen.
Ein wahres Erleben von ureigener Einheit und brennender Lust, von Willenlosigkeit und Klarheit nimmt das Wesen ein.
Der Rausch verfliegt, das Gefühl von Liebe bleibt wie in Marmor gemeißelt.
Es gibt kein Rechtes, wie dies Empfinden zu werten, noch weniger wie es zu handhaben ist.
In die Struktur zurückgeworfen stehen wir einander gegenüber, die Blicke voll Verwirrung und Sehnsucht, lediglich die Hände zu kleinen doch großen Gesten bereit.
Mitten zwischen dem Wissen um die Wahrheit der erlebten Verbundenheit und dem Fehlen einer Verankerung für dies Gefühl fällt es schwerer denn je, sich in einen ganzheitlichen Menschen zurückzuverwandeln.

Es ginge ehrlicher.
Es ginge näher.
Es ginge menschlicher.

Lust und Unvernunft, Egoismus und ein zorniger Trotz gegenüber Halbwahrheiten zwingen mitunter zur Handlung.
Ob sie mich und dich überwältigen werden kann ich nicht sehen.
Ein Teil von mir hofft dagegen und auf ein glückliches Mit- und Voneinander, ein anderer Teil hofft dafür, damit was ehrlich ist auch wahr sein darf.
Dies, als Hin-und-Her im Herzen längst auf ewig tief verankert, lässt Identität wie faule Ausrede erscheinen.

Herr, lass darin nicht den Untergang bestehen, gib Kraft und helle Träume durchzuhalten auf dem Weg durch die ewige Finsternis des Seinwollens und Seins. Amen.

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