Kurzes Fazit zur Überwachung im Digitalen Informationszeitalter

In den letzten Jahrzehnten lässt sich eine zunehmende Ausdehnung staatlicher und kommerzieller Überwachungspraktiken feststellen, die mittlerweile nahezu jeden Bereich des gesellschaftlichen Lebens durchdrungen hat. Dieser Prozess geht mit einer gleichzeitigen Ausbreitung von zum Teil automatisierter und nicht klar zuzuordnender Macht und Kontrolle einher.

Seit Bentham sein theoretisches Konstrukt des Panopticums Ende des 18. Jahrhunderts veröffentlichte, wurden wesentliche Teilaspekte dieser Überwachungsart bis zur heutigen Zeit stetig in die Observationspraktiken integriert und modifiziert.

Im Zuge des Digitalen Informationszeitalters hat sich das Panopticum zunehmend dezentralisiert und seine Funktionen wurden in vielfältiger Weise erweitert.

Zugleich scheinen sich die Menschen daran gewöhnt zu haben, dass sie aus verschiedensten Gründen in bestimmten Situationen überwacht werden. Hierbei ist die Einschränkung der Freiheit des Individuums zur allgemein akzeptierten Selbstverständlichkeit geworden, sodass die Toleranzgrenze für Überwachung innerhalb der Bevölkerung zunehmend steigt. Dieser Effekt wird zudem zusätzlich durch die offensichtlich wahrgenommenen Vorteile durch Überwachung im öffentlichen Raum verstärkt.

Außerdem werden terroristische Anschläge im 21. Jahrhundert immer häufiger zur Illustration von potentiellen Gefahren bzw. Unsicherheiten für die Gesamtbevölkerung benutzt. All dies schafft eine Legitimationsgrundlage für die Existenzberechtigung und Zustimmung exzessiver staatlicher Überwachung innerhalb der Bevölkerung.

Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts ermöglicht der stetig wachsende technische Fortschritt der digitalen Kommunikations- und Informationsmedien immer weitreichendere Möglichkeiten zur Überwachung und Datenspeicherung. Dies wird seitdem von einer steigenden Anzahl von Akteuren genutzt um ihre Interessen durch Observation gegenüber den Überwachten durchzusetzen.

Das Wirken des hier beschriebenen Überwachungsapparates ist jedoch nicht auf ein bestimmtes Territorium begrenzt, sondern strahlt in eine Vielzahl von Gesellschaftsbereichen aus. So erzeugt es beispielsweise Veränderungen im Verhalten jedes Einzelnen und hat gleichzeitig tiefgreifende Einschnitte in demokratische Strukturen als Ganzes zur Folge, sodass Freiheit und Privatsphäre jedes Individuums deutlich eingeschränkt werden.

Allerdings ist Überwachung für moderne Gesellschaften durchaus auch überlebensnotwendig und existenzsichernd, denn die Ausübung von Selbstjustiz kann durch den Einsatz von Überwachungstechniken auf ein Minimum reduziert werden. Durch ihre Schutz- und Erziehungsfunktion sorgt sie außerdem für die Sicherstellung und Aufrechterhaltung einer gesamtgesellschaftlichen Ordnung, die im Sinne aller betroffenen Individuen sein sollte. So ist Observation beispielsweise im Bildungssystem bei der Abfrage des individuellen Wissensstandes von Schülern unerlässlich. Darüber hinaus gilt Datensammlung heute als wichtige Voraussetzung für den Fortschritt sämtlicher Wissenschaften.

Die in den letzten Jahrhunderten stets zunehmende staatliche Kontrolle und auch die scheinbar unzähligen Vorteile der Überwachung, die im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung nur allzu gerne vom Staat wachgerufen werden, haben dazu geführt, dass sich die Menschen in einem schleichenden Prozess an die vorherrschende Überwachung gewöhnt haben. Aufgrund dieser graduellen Gewöhnung scheint eine Loslösung aus diesen Macht- und Kontrollstrukturen die Vorstellungskraft Vieler zu übersteigen und es fehlt zudem an Alternativen. Eine Reduktion der heutigen Überwachung scheint daher fast unmöglich und in der Zukunft ist auch weiterhin sicherlich mit einem Anstieg dieser zu rechnen.

 

Literatur

Gaycken, Sandro; Kurz, Constanze (2008): 1984.exe. Gesellschaftliche, politische und juristische Aspekte moderner Überwachungstechnologien. Bielefeld: Transcript.

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