Empowerment: Die Förderung von Selbstständigkeit und Selbstverantwortung

Am Ende des 20. Jahrhunderts erfolgte im Zuge des aufkommenden Neoliberalismus eine prägnante Wende im Bereich der Führung der Bevölkerung. Dabei wurden Drohung, Disziplin und strikter Gehorsam durch neoliberale Kontrollmechanismen, wie Motivation, Anreiz und Beratung abgelöst. In diesem Zusammenhang wurde Empowerment zunehmend in den neoliberalen Regierungsprozess integriert. Der Begriff Empowerment umfasst im Allgemeinen

„die professionelle Unterstützung eigenverantwortlichen Alltagsmanagements“ sowie die „»Selbstbemächtigung« und »Selbst-Aneignung von Lebenskräften«“ (Bröckling 2007: 180).

Die Ursprünge von Empowerment liegen in den 1970er-Jahren der USA. Diese Zeit war geprägt von einer individuellen Macht- und Orientierungslosigkeit innerhalb der Gesellschaft, die einen Kampf gegen Benachteiligung bestimmter Bevölkerungsgruppen auf der Grundlage von freiwilligem Engagement entfachte (dabei handelte es sich beispielsweise um Bürgerrechts-, Feministen-, Schwulen- und Lesbenbewegungen). Das individuelle Selbstwertgefühl, sowie die Selbstorganisation kommunitärer Gemeinschaften wurden durch diese sozialen und politischen Bewegungen enorm gestärkt.

Resultierend aus diesen historischen Ereignissen postuliert Empowerment heute das Prinzip, stets so zu handeln, dass dieses Handeln die Unabhängigkeit seiner Empfänger fördert und beinhaltet sowohl ein planmäßiges Einwirken auf andere als auch auf sich selbst. Vereinfacht ausgedrückt kann unter diesem Begriff also die Erweiterung der Möglichkeiten für Menschen verstanden werden, ihr Leben selbst zu regulieren.

Ziele von Empowerment-Maßnahmen haben überwiegend Hilfe zur Selbsthilfe und die Bereitstellung einer selbstständigen Problemlösung zum Inhalt. Somit zielen alle mit Empowerment verknüpften Interventionen auf eine Möglichkeitserweiterung und Selbstregulierung des eigenen Lebens ab. Diese Methode führt also nicht zu einem Verzicht auf Führung, sondern zu einer Verlagerung dieser auf das Individuum selbst. Sie stellt daher ein effizientes neoliberales Regierungsinstrument dar.

Empowerment wird heute in Unternehmen (insbesondere im Rahmen von Coaching und Teamwork) dafür eingesetzt, um Unternehmensziele anhand von Selbstverpflichtung und Eigenverantwortung anstatt formaler Autorität und hierarchischer Kontrolle zu verfolgen. Dabei wird die Verantwortung für die Zielerreichung zunehmend von der Führungsebene ‚nach unten‘ verlagert. Auf diese Weise sollen

„»schlummernde Potenziale« der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ (Bröckling 2007: 207)

erkannt, gefördert und für das Unternehmen nutzbar gemacht werden.

 

Literatur

Bauman, Zygmunt (2003): Flüchtige Moderne. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Bröckling, Ulrich (2007): Das unternehmerische Selbst. Soziologie einer Subjektivierungsform. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

 

Kommentar nur für eingeloggte Benutzer möglich