Digitales Kommunikationszeitalter – Eine zunehmende Vernetzung der Gesellschaft

Das heutige digitale Kommunikationszeitalter basiert auf wesentlichen technologischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte. Bedeutend waren hierbei sowohl die massenhafte Verbreitung von PCs und Mobiltelefonen seit den frühen 1980er-Jahren als auch die flächendeckende Bereitstellung von Internetzugängen seit Anfang der 1990er-Jahre. Beide Entwicklungen nahmen massiven Einfluss auf die Lebensgestaltung eines großen Teils der Weltbevölkerung. Die vorerst letzte wichtige Entwicklungsstufe wurde schließlich in den 2000er-Jahren durch die umfassende Verbreitung von Smartphones, die neben den klassischen Mobiltelefoneigenschaften von SMS und Telefonie, mobiles Internet zur Verfügung stellen, erreicht. Smartphones stellen hierbei eine Symbiose der vorherigen Entwicklungen dar, da sie für ihre Benutzer eine erweiterte Kommunikations- und Informationsmöglichkeit im Alltag bieten.

All diese historischen Ereignisse ebneten den Weg in eine bis heute beispiellose Informations- und Kommunikationsvielfalt. Beschleunigter Informationsaustausch und digitale Vernetzung sind heute zu einem essentiellen Bestandteil des menschlichen Lebens geworden, so dass die Teilhabe am sozialen Leben zunehmend auf ihre Benutzung angewiesen ist. Vor diesem Hintergrund scheint es gerechtfertigt, von einer immer stärker werdenden digitalen Abhängigkeit des modernen Menschen zu sprechen. Dies kann exemplarisch am Beispiel der Mobiltelefon- und Internetnutzung, die sich bis in nahezu alle Altersgruppen und soziale Schichten ausgebreitet hat, verdeutlicht werden.

Angetrieben wird diese Entwicklung durch drei grundlegende Phänomene. Zum einen wird technologischer Fortschritt stets mit dem Glauben an Lebensverbesserung assoziiert, was zur Folge hat, dass dieser vom Großteil der Bevölkerung als positiv wahrgenommen und in ihre Verhaltensweisen integriert wird. Zum anderen wird durch die ständige Benutzung digitaler Medien eine Durchdringung von verschiedensten Lebensbereichen erzeugt, die einen sozialen Konformitätsdruck hervorruft. Dies hat zur Folge, dass eine Verweigerung der digitalen Partizipation mit Ausschluss aus sozialer Interaktion und Begrenzung vorhandener Chancen zur Lebensgestaltung verbunden wäre. Dieser Trend wird außerdem durch gezieltes Marketing verstärkt. So kurbelt die Fokussierung auf neueste Markttrends im Bereich digitaler Kommunikationsmedien die Nachfrage nach diesen kontinuierlich an. Die wohl markanteste Folge dieser Entwicklungen ist die Entstehung einer gesellschaftlichen Norm der öffentlichen Zurschaustellung privater Informationen innerhalb digitaler Kommunikationskanäle, wie z.B. Facebook, Twitter oder Youtube.

Die massenhafte Ausbreitung digitaler Kommunikationsmedien führte im Laufe der letzten Jahrzehnte zu einer stetig anwachsenden Vernetzung und Interaktion zwischen Individuen. Sie bietet heute – ungeachtet traditioneller zeitlicher und räumlicher Grenzen – ungeahnte Möglichkeiten der Selbstdarstellung und Interaktion untereinander. Jedoch werden hierbei oft negative Aspekte, wie die erhöhte Möglichkeit der Überprüfung, Beobachtung und Bewertung der individuellen Persönlichkeit und des Verhaltens durch unterschiedlichste Akteure übersehen.

 

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