Abhängigkeit von digitalen Medien

Informationen sind heute so schnell und leicht zugänglich wie nie zuvor. Diese Entwicklung wurde insbesondere durch die Einführung und bis heute anhaltende Verbreitung von PCs seit den frühen 1980er Jahren begünstigt. Ergänzend dazu ebnete die globale Vernetzung durch das Internet den Weg zur Digitalisierung und Verbreitung der Medien. Dies hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf die Wirtschaft, die Gesellschaft und die Kultur der Menschheit.

Die Ausbreitung digitaler Kommunikationsmedien hat in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass die Menschen diese zunehmend in ihr Leben und die Gesellschaft integriert haben. Die Nutzung dieser Medien ist immer natürlicher geworden und es entsteht der Eindruck, dass man sich dem digitalen Einfluss in Zukunft nicht mehr entziehen kann.

Die Ausstattung von Kleinkindern mit Mobiltelefonen gehört bereits heute zur Normalität. Es wächst eine Generation heran,

„für die »Handies« nicht nur alltägliche, sondern gar essentielle Methoden des sozialen Umgangs sind“ (Gaycken, Kurz 2008: 71).

Die folgenden drei Aspekte helfen dabei, diese Abhängigkeit von digitalen Medien nachzuvollziehen.

Erstens: Technischer Fortschritt wird generell mit einer Lebensverbesserung- und Erleichterung in Verbindung gebracht. Da die Menschen sich über Jahrhunderte an diese Form von Wachstum gewöhnt haben, werden technische Neuerungen stets bevorzugt und Rückschritte missbilligt.

Zweitens: Die Ausbreitung digitaler Medien hat zu einer zunehmenden Auslagerung einer Vielzahl von Tätigkeitsbereichen auf das Internet und zu einer immensen sozialen Vernetzung von Individuen geführt. Eine Verweigerung ihrer Nutzung wäre zum einen mit dem sozialen Ausschluss aus vernetzter Kommunikation und zum anderen mit einer rückwirkenden Blockade zu gesellschaftlichen Lebensbereichen in der „Offline-Welt“ (Köhler 2010: 169) verbunden.

Drittens: Gezielte Manipulation durch Marketing zu kommerziellen Zwecken ist dafür verantwortlich, dass die Abhängigkeit von diesen Medien nicht abbricht, sondern unaufhörlich gesteigert wird. Die Computer-, Internet- und Mobiltelefonnutzung stellen dabei die prägnantesten Beispiele dar.

 

Der technische Fortschritt hatte innerhalb der letzten Dekaden, in Verbindung mit militärischer Notwendigkeit, eine enorme Verbesserung der Überwachungstechnologie zur Folge. Obendrein hat er aber auch dazu beigetragen, dass digitale Kommunikations- und Informationsmedien, die zu umfassenden Überwachungszwecken benutzt werden können, zum festen Bestandteil des täglichen Lebens der Menschen geworden sind.

Der rasante Überwachungsboom der letzten Jahrzehnte kann somit zum Großteil auf diese Parallelentwicklung zurückgeführt werden, denn sie verkörpert eine enorme Möglichkeitserweiterung für Überwachung.

 

Literatur

Bauman, Zygmunt; Lyon, David; (2013): Daten, Drohnen, Disziplin. Ein Gespräch über flüchtige Überwachung. Berlin: Suhrkamp.

Gaycken, Sandro; Kurz, Constanze (2008): 1984.exe. Gesellschaftliche, politische und juristische Aspekte moderner Überwachungstechnologien. Bielefeld: Transcript.

Köhler, Thomas R. (2010): Die Internetfalle. Was wir online unbewusst über uns preisgeben und wie wir das World Wide Web sicher für uns nutzen können. Frankfurt, M: Frankfurter Allg. Buch.

Löschmann, Jörg (2013): Von Fortschritt und Wachstum. Gegensatz oder Kongruenz? München: GRIN Verlag GmbH.

Schirrmacher, Frank (2013): Ego. Das Spiel des Lebens. München: Karl Blessing Verlag

Whitaker, Reg (1999): Das Ende der Privatheit. Überwachung, Macht und soziale Kontrolle im Informationszeitalter. 1. Aufl. München: Kunstmann.

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